Shared Reading
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Shared Reading, vor Ort und per Zoom


Vor Ort im WortReich - immer Donnerstags, ab 19.30 Uhr:

 

am 13. Januar 2022

am 10. Februar 2022

am 10. März 2022

am 7. April 2022

am 12. Mai 2022

am 23. Juni 2022

Eintritt nur mit FPP2 Maske (oder KNV95/N95/KF94/KF95).

 

 

 

Zoom-Veranstaltung - immer Donnerstags, ab 19.30 Uhr:

 

am  3. Februar 2022

am 24. Februar 2022

am 24. März 2022

am 28. April 2022

am 2. Juni 2022

am 7. Juli 2022

 

Wir benötigen Euren Kontakt für den Zoom-Link, Ihr erhaltet den Link sowie die Texte kurz vor der Veranstaltung.

Nur die Texte, die sonst von unserer Moderatorin Christine mitgebracht wurden  - die müssen bei den Zoom-Veranstaltungen vorab von Euch selbst ausgedruckt werden. Ihr benötigt einen Computer mit Kamera und Mikrofon oder ein Smartphone mit Kopfhörern. Den Link zur Zoom-Veranstaltung sowie die Texte schicken wir Euch kurz vor der Veranstaltung zu.

Wir bitten jeweils um Anmeldung per E-Mail an wortreich@t-online.de

 

Shared Reading  - und was ist das eigentlich?

 

Shared Reading ist eine Methode des geteilten Lesens, großartig und denkbar einfach für Euch. Unsere Gruppenleiterin, Christine Hauke-Dreesen, bereitet das Lesen einer Kurzgeschichte und eines Gedichtes vor. Stück für Stück lesen wir später dann gemeinsam die Texte und immer wieder halten wir ein, um unsere Eindrücke, unsere Ideen und Fragen zu sammeln. Da wird es auch mal kontrovers, denn jeder liest aus den Zeilen etwas Anderes heraus. Vor allem aber gewinnen die Worte an Tiefe, denn mit den Leser:Innen multiplizieren sich auch die Erinnerungen und Erfahrungen, die die Geschichte auslösen kann. Lange sind die Zeiten her, in denen die Familien zusammensaßen und sich gegenseitig vorlasen. Viele Menschen kennen das gemeinsame Lesen nur noch aus der Schule oder der Universität. Nun sind es Fremde, die einen Text teilen – und damit ein Stück ihrer selbst. So einfach kann eine Wunderwaffe wirken ... und es macht jede Menge Spaß.

Ein besonders ausgewählter Text, gemeinsam gelesen von wenigen Menschen, ganz intensiv - das ist das radikal Andere daran. Das Erlebnis,dass eigene innerste Gefühle und Gedanken sich so perfekt in den Worten eines gänzlich Fremden spiegeln können, ja dort erst ihren Ausdruck finden – das stärkt und bindet uns in die menschliche Gemeinschaft.

Die Teilnahme ist natürlich kostenlos und Ihr könnt ohne jede Vorbereitung einfach mitmachen.
 

 

you don‘t know

you need it:

How Shared Reading

can help us connect.“

Jane Davis

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Shared Reading im WortReich
Literatur kommt nicht als heilige Kuh daher

Interview: Tarek J. Schakib-Ekbatan

März 2020

Seit Frühjahr 2018 findet Shared Reading in der Buchhandlung WortReich in der Heidelberger Weststadt mit Christine Dreesen statt. Die gelernte Erzieherin, Buchhändlerin und Literaturpädagogin ist seit zwei Jahren Shared Reading-Facilitatorin. Gastgeberin Bettina Heuer führt seit 2001 selbstständig die Buchhandlung WortReich, die sie regelmäßig für die Shared Reading-Treffen öffnet.

Was hat Euer Interesse an Shared Reading geweckt?

Christine Dreesen: Ich habe durch einen Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung von Shared Reading erfahren. Und ich habe mir gedacht, das ist genau das, was ich gerne mache. Den Ansatz, beim Shared Reading nicht so akademisch auf den Text zu gucken, sondern darauf, was er mit einem macht, finde ich toll – auch so ein niedrigschwelliges Angebot zu haben, auf das sich die Teilnehmer*innen nicht vorbereiten müssen. Mir gefällt, dass es danach in einem weiterwirkt und ganz verschiedene Menschen zusammenkommen.

Bettina Heuer: Literatur habe ich den ganzen Tag hier im Laden um mich. Mich hat gereizt, dass man beim Shared Reading Menschen sehr gut kennenlernen kann. Natürlich nur ein Stück weit, doch man kommt schnell ins Gespräch über existenzielle Themen, wichtige Fragen oder persönliche Ansichten. Das fasziniert mich auch immer bei meiner Arbeit im Buchhandel.

Was macht Shared Reading für Euch besonders?

Christine Dreesen: Ich kriege von den Teilnehmer*innen die Rückmeldung, dass sie es alleine schon schön finden, abends in der Buchhandlung zusammensitzen zu können. Das finde ich auch sehr gemütlich. Die Menschen fühlen sich verbunden mit der Gruppe. Ein Teilnehmer hat uns zum Beispiel sein Baby vorgestellt und seine Eltern mitgebracht, als sie zu Besuch in der Stadt waren. Da ist wirklich etwas entstanden. Und es ist umsonst und um die Ecke.

Bettina Heuer: Ich möchte den Menschen mit der Buchhandlung und der Literatur einen besonderen Moment im Alltag schaffen und das gleiche erreichen auch die Begegnungen beim Shared Reading. Die Zusammenkunft und das Kennenlernen über die Geschichte ist für mich der Zauber, der es besonders macht. Man lernt Menschen wirklich kennen und oft sind sie ganz anders, als man gedacht hat.

Christine Dreesen: Einmal ist eine Frau aus dem Hotel gegenüber gekommen, die hier eine Postkarte gekauft und so von der Veranstaltung gehört hat. Da dachte ich, das ist eine tolle Erfahrung: Man ist fremd in der Stadt, geht in die Buchhandlung und bekommt dann so ein Abendprogramm geschenkt.

Bettina Heuer: Ja, man ist auch sofort drin und nimmt im wahrsten Sinne des Wortes teil. Deswegen wünschen wir uns immer neue Teilnehmer*innen, weil hier ein offener Ort ist. Man kann etwas mitnehmen und muss nichts dafür geben. Wo hat man das schon?

Wen wollt Ihr ansprechen? Was passiert bei den Treffen?

Bettina Heuer: Ich habe da überhaupt keine spezielle Vorstellung. Je gemischter, umso lustiger und spannender ist es. Vor allem, weil ja nicht nur die Texte im Mittelpunkt stehen, sondern auch, wie die Menschen aufeinander reagieren. Wie sehr nehmen sie an, was ein anderer im Text sieht? Wie sehr rudern sie zurück? Wie lernen sie voneinander? Wenn jemand sagt „Ich sehe genau dasselbe in der Geschichte wie Du“ verbindet und bestärkt das.

Christine Dreesen: Es hat ein bisschen was von Yoga. Man kommt runter und ist ganz konzentriert auf das, was man im Moment hört. Und dann auch wirklich zu kapieren, jeder liest mit seinem eigenen Hintergrund, mit seiner eigenen Vorgeschichte. Manche Sachen werden ja ganz verschieden verstanden. Und das auszuhalten und andere Meinungen stehen zu lassen, empfinde ich als eine gute Übung.

Bettina Heuer: Man kann einfach lernen, eine andere Meinung zu tolerieren. Weil der Respekt vor dem Anderen wächst. Es geht wirklich hin und her, dass zum Beispiel eine die Geschichte ganz toll findet, und ein anderer ganz langweilig. Shared Reading schafft ein Klima, in dem Literatur nicht als Heilige Kuh daher kommt sondern als etwas, das man gut finden kann, aber nicht gut finden muss.

Warum sollte man zum Shared Reading kommen?

Christine Dreesen: Es ist eine Art sich zu begegnen. Über sich zu reden, ohne über sich zu reden und etwas über andere zu erfahren. Ich habe da neulich ein schönes Zitat von Max Frisch gelesen: „Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen“. Und so ist eigentlich auch Shared Reading: Man kann es aufnehmen und was dazu sagen, oder es einfach für sich behalten und mit nach Hause nehmen.


 


 

Im Jahr 2019 20 x im WortReich, immer Donnerstags, immer 19.30, immer spontan!

Dieses Interview findet Ihr hier auf der Internetseite des Kulturhauses Karlstorbahnhof HD